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Museen
Museo della Misericordia in Anghiari
Zeugnisse der wohltätigen Bruderschaften der Vergangenheit
Museo della Misericordia di Anghiari
Corso Giacomo Matteotti, 129, 52031 Anghiari AR, Italia

In Anghiari gab es zahlreiche Gemeinschaften von Männern und Frauen, die sich karitativen Tätigkeiten und der Krankenpflege widmeten. Die meisten wurden in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gegründet, insbesondere ab 1348, dem Jahr der verheerenden Pestepidemie, welche die europäische Bevölkerung stark dezimierte. Diese Bruderschaften, die sich durch die Farben der Umhänge, die die Mitglieder trugen, unterschieden, gaben sich bedeutsame Namen: Compagnia di Santa Maria della Misericordia (oder Compagnia dei Neri), Fraternita di Santa Maria del Borghetto (oder Fraternita di Anghiari), Compagnia di Sant'Antonio, San Jacopo und San Cristoforo, Compagnia del Santissimo Crocifisso oder Corpus Domini.

Die Bruderschaften gab es bis zum Jahr 1785, als die Gesetze des Großherzogtums dafür sorgten, dass ein großer Teil von ihnen aufgelöst und ihr Besitz den Diözesen übertragen wurde, ebenso wie die Leitung der neu entstandenen karitativen Gesellschaften. Jedoch hatten diese neuen Bruderschaften eine autoritäre Ausrichtung, wodurch sie nicht den gleichen Rückhalt im Volk hatten wie die Gemeinschaften der Vergangenheit. Im Jahr 1791 wurde die schon seit 1564 existierende Compagnia dello Spirito Santo neu gegründet, die die Anerkannenung sowohl der großherzoglichen wie der kirchlichen Autoritäten fand. Kurz darauf wurde die Bruderschaft aber von den Franzosen erneut aufgelöst und nach dem Ende der napoleonischen Epoche neu gegründet. Sie zeichnete sich besonders während der Typhusepidemie von 1817 aus.

Ab diesem Zeitpunkt trugen die Mitglieder der Brüderschaft auch einen Hut, der dem der Laiengemeinschaft Misericordia di Firenze ähnelte, weswegen sie auch Confraternita di Misericordia genannt wurden. Die Mitglieder eilten in der gesamten Gemeinde Anghiari Kranken  zu Hilfe, trugen sie auf ihren Schultern und gewährten ihnen  zuweilen für einige Tage in ihrem Sitz in der Nähe der Badia Unterkunft.

Zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt die Bruderschaft für den Krankentransport zum Hospital von Sansepolcro eine Krankenbahre mit Rädern, die als Vorläufer der heutigen Krankenwagen betrachtet werden kann. 1870 wurde in Anghiari das Krankenhaus der Misericordia erbaut, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Convento della Croce umzog. 

Die Ausstellungsräume mit Resten von Fresken aus dem 15. Jahrhundert  sind im Gebäude der Badia untergebracht, der ehemaligen Klosterkirche von S. Bartolomeo Apostolo, wo die Brüderschaft seit 1817 ihren Sitz hat. Das Museum versammelt Zeugnisse der sozialen Aktivitäten, denen sich die Brüderschaft im Laufe der Jahrhunderte im Gebiet von Anghiari widmete, medizinische Geräte und die Ausstattung des ehemaligen "Ospedale della Misericordia" und illustriert überdies Geschichte, Kultur und Tradition des Orts.

Das Material wurde ab 1975 gesammelt, dank der Initiative einiger Mitglieder der Bruderschaft und insbesondere des Lokalhistoriker L. Babbini. Die Krankenhausausstattung geht auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück und umfasst unter anderem vier Fahrzeuge für den Krankentransport (eine Krankenbahre mit Rollen zum Ziehen von 1861, einen kleinen Wagen von 1909 für den Einsatz bei Notfällen, einen weiteren Wagen zum Ziehen mit der Hand und eine Einrichtung, um Kranke aus dem Bett zu heben).

Zu den bedeutendsten Exponaten des Museums gehören die alten Bahren mit Rädern und die Kleidung der Mitglieder der Bruderschaft aus dem 19. Jahrhundert, die Handschriften mit den Statuten der alten Bruderschaften und die wertvollen Reliquien. Darüber hinaus können die Besucher die wunderschöne Bauweise und die Fresken aus dem 15. Jahrhundert der Räumlichkeiten des Museums bewundern, das einst eine mittelalterliche Kirche war.