Poppi
Photo ©Valentina Dainelli
Das Exil des Dichterfürsten zwischen grünen Horizonten
Die Orte Dantes im Casentino
Casentino
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Dante hatte eine starke Bindung an das Casentino. Als Gast der Grafen Guidi verbrachte er hier mehrere Jahre seines Exils fern von Florenz, tatsächlich sind zahlreiche Orte dieses Tals in seinem Meisterwerk „Die Göttliche Komödie“ erwähnt. Dantes Reise im Casentino beginnt in der Ebene von Campaldino, dem Ort, an dem am 11. Juni 1289 die gleichnamige Schlacht zwischen den Florentiner Guelfen und den Ghibellinen von Arezzo stattfand. In den Reihen befand sich ein junger Dante Alighieri in der Rolle eines mittelalterlichen Ritters, der sein Florenz zum Sieg führte.

Zu dieser Zeit hätte sich der Dichterfürst nie träumen lassen, die grünen Hügel des Casentino wiederzusehen, nachdem er seine Heimat, das schöne Florenz, verlassen hatte. 

Die Schlösser von Poppi und von Romena

Der „Vater der italienischen Sprache“ lernte das Casentino-Tal sehr gut kennen, war er doch 1310 Gast der Grafen Guidi in der Residenz des Schlosses Poppi, einem majestätischen Bauwerk, das das ganze Tal beherrscht. Hier soll er den 33. Höllengesang geschrieben haben. Dies ist einer der berühmtesten Gesänge der Göttlichen Komödie, der sich um die Figur des Grafen Ugolino della Gherardesca dreht, dessen Verwandte die Guidi durch Heirat werden sollten. Als Gast der Grafen Guidi lernte der Dichterfürst die architektonischen Wunder des Tals kennen, wie die Schlösser von Romena und Porciano.

Es wird viel über Romena und die Geschichte des Fälschers Mastro Adamo gesprochen, ein Fälscher im Sold eben dieser Grafen, der in einer Ortschaft, die genau wegen dieses Ereignisses den Namen Omomorto (toter Mann) trägt, lebendig verbrannt wurde.

Dante konnte wie viele andere große Autoren und Denker angesichts des Reichtums eines Gebietes wie dem des Casentinos, in dem die grünen Hügel und Bäche eine idyllische Landschaft bilden, seinen Augen nicht trauen. Tatsächlich beschreibt er im 30. Höllengesang den Strom der „kleinen Bäche“ talwärts, die von den Hügeln kommend den Fluss Arno erreichen.

Die Einsiedelei von Camaldoli und die Quellen des Flusses Archiano

Folgen wir Dantes Spuren im Casentino und setzen wir die Reise im Fegefeuer fort, genau im 5. Gesang finden wir einen der wichtigsten spirituellen Bezugspunkte des Casentino: die Einsiedelei von Camaldoli. Die Klause wurde vor etwa tausend Jahren vom Heiligen Romuald gegründet. Umgeben von der Stille des heiligen Waldes, der von den Mönchen gehegt wurde, stellt die Einsiedelei eine der beiden Dimensionen des Kamaldulenserordens dar, der das zenobitische Leben mit einsamer Kontemplation verbindet. Gleich oberhalb der Einsiedelei befinden sich die Quellen des Archiano, eines Nebenflusses des Arno, der einst die Grenze zwischen dem von den Guidi beherrschten Casentino und den Arezzo unterstehenden Gebieten kennzeichnete.

Der Archiano und seine Ufer werden im 5. Gesang des Fegefeuers erwähnt, als Bonconte da Montefeltro an der Stelle starb, an der der Archiano in den Arno mündet. Der 5. Gesang des Fegefeuers zeigt die Schönheiten des Casentinos, die den Dichter faszinierten, und unter diesen darf einer der schönsten Panoramapunkte des ganzen Tals nicht fehlen: der Pratomagno. Dieses Massiv trennt das Casentino vom Valdarno und stellt ein echtes Naturdenkmal für die Einwohner des Casentino dar. Vor dem Berg Verna gelegen, steht auf seinem Gipfel ikonisch das riesige Eisenkreuz, das 1928 zu Ehren des Heiligen Franziskus errichtet wurde.

Der Monte Falterona

Im 14. Gesang, ebenfalls des Fegefeuers, spricht er vom Arno als dem „fiumicel che nasce in Falterona“, dem Flüsschen, das in Falterona entspringt. Wir befinden uns auf dem Monte Falterona, an der Quelle des Flusses Arno, der das Gebiet der „halben Toskana“ durchquert und das Casentino mit Florenz und Pisa verbindet. Neben den Quellen ist dieser Ort auch als archäologische Stätte von Bedeutung, denn hier wurden zahlreiche Funde aus Zeit der Etrusker entdeckt, die bezeugen, wie weit die Wurzeln der Tals in der Geschichte zurückliegen. Von der Quelle des Flusses und vom nahegelegenen Lago degli Idoli (ein heiliger Ort für die Etrusker) ist es wahrscheinlich, dass Dante auf seinen Reisen zwischen Casentino und Romagna vorbeikam. Tatsächlich starb er 1321 in Ravenna, ohne jemals in sein geliebtes Florenz zurückkehren zu können.

Die Wallfahrtskirche von La Verna

Die Reise endet im Paradies, wo die beiden wichtigsten religiösen Zentren des Casentinos in Dantes Werk gebührend Berücksichtigung finden. Im 11. Gesang des Paradieses finden wir den „Crudo sasso“, also den Heiligen Berg und seine Wallfahrtskirche La Verna. Dantes Verse beziehen sich hier auf den Heiligen Franziskus, der auf dem heiligen Berg La Verna, der ihm vom Grafen Orlando Cattani geschenkt wurde, zwei Jahre vor seinem Tod die Stigmata empfing.