Anbetung der Könige, Leonardo da Vinci, Detail
Der Renaissancemensch schlechthin stammt aus dem toskanischen Vinci
Leonardo da Vinci: Leben, Fakten, Kurioses und Kunst

Leonardo da Vinci ist zusammen mit dem ebenfalls aus der Toskana stammenden Michelangelo einer der weltweit bedeutendsten Künstler. Beide gelten als Künstler der Hochrenissance, die auf die Frührenaissance folgte und einen Höhepunkt künstlerischer Errungenschaften markiert. Leonardo war weit mehr als ein Maler: Heute würden wir ihn  als Architekten, Designer, Erfinder, Wissenschaftler, Ingenieur beschreiben...oder einfach als „Renaissancemenschen“. Erfahren Sie im Folgenden mehr über Leonardos Leben und seine wichtigsten Kunstwerke.

Leonardo: Leben und Kunst

Leonardo wurde am 15. April 1452 in Anchiano in der Nähe von Vinci auf den südlichen Hängen des Monte Albano in einer von Weinbergen und Olivenhainen überzogenen Gegend geboren. Als uneheliches Kind wurde Leonardo von seinem väterlichen Großvater großgezogen, der als Anwalt in Florenz tätig war. Dort wurde er dann in eine „Bottega“ geschickt, um in der Werkstatt von Andrea Verrocchio, einem Maler, Bildhauer und Goldschmied, eine Ausbildung zu absolvieren. Wir wissen, dass Leonardo im Jahr 1472 in Florenz als eigenständiger Maler tätig war und dort zehn Jahre lang wirkte, wobei sich nur wenige seiner Arbeiten erhalten haben. Es existieren jedoch zahlreiche Zeichnungen aus dieser Zeit. 

1483 verschlug es Leonardo nach Mailand, wo er sich selbst den Sforza-Herrschern als erfahrener Militäringenieur präsentierte, der auch malerische Fähigkeiten besaß. Seine berühmtesten Werke aus dieser Zeit sind „Das letzte Abendmahl“ in der Mailänder Kirche Santa Maria delle Grazie in Milan, ein Wandgemälde, das nicht in reiner Freskotechnik ausgeführt wurde und sich daher von Anfang an schwer konservieren ließ.

Leonardo kehrte von 1499 bis 1508 nach Florenz zurück. In dieser Zeit malte er die Mona Lisa, die sich heute in Paris befindet. Später lebte und arbeitete er erneut in Mailand, dann in Rom und schließlich in Frankreich in der Nähe von Amboise, wo er für den französischen König tätig war. Er starb dort im Jahr 1519.

Leonardos Gemälde in der Toskana
Die Taufe Christi, Leonardo und Verrocchio
Die Taufe Christi, Leonardo und Verrocchio - Credit: Le Gallerie degli Uffizi

Es gibt nicht viele Gemälde oder Zeichnungen Leonardos in der Toskana zu sehen. Sie können jedoch mehr über Leonardo in den vielen Orten erfahren, die mit ihm verbunden sind oder ihn inspiriert haben. Einige Meisterwerke können Sie jedoch entdecken: 

In den Uffizien ist Leonardo ein Raum gewidmet, in dem das unvollendete Gemälde der Anbetung der Könige aufbewahrt wird, das jüngst restauriert wurde ud nun mehr Informationen im Hintergrund liefert, als zuvor sichtbar war. Das Ölgemälde wurde von den Mönchen von San Donato a Scopeto 1481 in Auftrag gegeben und stellt die Jungfrau Maria dar, die das Jesuskind hält und von den Heiligen Drei Königen umgeben wird. Das Gemälde wurde nicht vollendet, nachdem Leonardo nach Mailand aufgebrochen war. 

In demselben Raum befindet sich auch die Verkündigung, die zwischen 1472 und 1475 gemalt wurde. Das Gemälde, das die Begegnung zwischen der Jungfrau Maria und dem Erzengel Gabriel wiedergibt, unterscheidet sich stilistisch von anderen Arbeiten, die sich demselben Thema widmen und das Ereignis im Innenraum ansiedeln. Leonardo gelingt es auf diese Weise, die Landschaft mit seiner charakteristischen Sfumato-Technik (verschwommen)  darzustellen, seine Form der „atmosphärischen Perspektive“.

Neben diesen beiden Meisterwerken ist ein Gemälde zu sehen, das die „Taufe Christi“wiedergibt (es stammt aus der Kirche des vallombrosanischen Klosters San Salvi in Florenz) und auf Andrea del Verrocchio zurückgeht. Im Vordergrund erscheinen zwei Engel, einer davon von Leonardo. Erraten Sie welcher? Nach Vasari führte der junge Leonardo den Engel so perfekt aus, das er den Zorn seines Meisters auf sich zog. 

Leonardos Orte in der Toskana

Alle, die sich für Leonardo begeistern, können seinen Heimatstadt Vinci besuchen, und den Vorort Anchiano, in dem er auf die Welt kam und wo sich heute ein kleines Hausmuseum (die Casa Natale di Leonardo) mit multimedialen Installationen zu dem Künstler befindet. Viele nennen diesen fälschlicherweise „Da Vinci“, er wird jedoch als Leonardo aufgeführt und nicht mit dem Namen der Stadt, der auch nicht sein Nachname ist. 

In Vinci ist das Museo Leonardiano einen Besuch wert, das Modelle ausstellt, die auf Leonardos Entwürfen für Maschinen basieren, die mit dem Krieg, dem Bauwesen, der Optik und der Bewegung des Wassers in eine Zusammenhang stehen. 

Außerhalb von Florenz kann man auf den Hügel von Montececeri in der Gemeinde Fiesole wandern. Leonardo kam oft hierher, um die Tiere und das Wasser zu studieren. Seine Beobachtung der Vögel in diesen Wäldern inspirierte ihn zu seiner „Flugmaschine“,  einer Art Gerät mit Flügeln, das sich ein Mensch anlegen konnte. Nach dem „Kodex über den Vogelflug“ soll Leonardos Gehilfe Tommaso Masini die Flugmaschine an diesem Ort getestet und von einem höher gelegenen Teil von Montececeri abgesprungen sein. Masini soll über 1.000 Meter fliegend zurückgelegt haben und an einer niedriger gelegenen Stelle gelandet sein, wo heute auf der Straße von Florenz nach Fiesole eine Informationstafel an dieses Ereignis erinnert. 

Wenn man die Küste entlangreist, kann man Leonardo in Piombino von einer neuen Seite als Militäringenieur entdecken, der in Projekte zur Stadtverteidigung eingebunden war. Seine Aufgaben als Ingenieur führten ihn auch nach Calci in der Nähe von Pisa, wo er an Projekten arbeitete, die nicht immer von Erfolg gekrönt waren, wie die Umleitung des Flusses Arno und die Verstärkung der Verruca-Festung. Weitere Tipps für eine Route, die im Zeichen von Leonardo steht, finden sich in dem PDF (auf Englisch) Leonardo in der Toskana.

Downloaden Sie die Infografik (auf Englisch) Leonardo da Vinci in der Toskana