La Primavera, Uffizien
Erfahren Sie mehr über den Künstler, der die Geburt der Venus und La Primavera realisierte
Sandro Botticelli: Leben, Fakten, Kurioses und Kunst

Sandro Botticelli ist einer der bedeutendsten italienischen Maler aller Zeiten und gilt als Symbolfigur der italienischen Renaissance. Er ist der Florentiner Künstler, der einige der weltweit berühmtesten Kunstwerke schuf. 

Botticelli: Leben und Kunst

Sandro Botticelli wurde 1445 als Alessandro Mariana Vanni Filipepi in Florenz in der Via Nuova (heute Via del Porcellana unweit der Piazza Ognissanti) geboren. Sein Vater, ein Gerber, besaß einen Laden in dem volkstümlichen Viertel Santo Spirito. Im Alter von 14 Jahren trat Botticelli als Lehrling in die Werkstatt von Fra Filippo Lippi ein.

Die früheste Arbeit, die Botticelli zugeschrieben wird, ist die „Madonna mit Kind“ (ca. 1465) beim Ospedale degli Innocenti (Florenz). 1470 eröffnete er seine eigene Werkstatt. Dank des Mäzenentums der Medici wurde er 1481 vom Papst nach Rom beordert, um Szenen zur Wandausschmückung der Sixtinischen Kapelle zusammen mit anderen Künstlern aus der Toskana und Umbrien beizutragen. Zurück in Florenz, „verfasste er einen Kommentar zu einer Dante-Passage und illustrierte die Hölle, die er druckte. Er verbrachte sehr viel Zeit damit. Diese Arbeitsunterbrechung brachte jedoch sein Leben in Unordnung.“ (Giorgio Vasari).

Botticellis Stil ist einmalig unter den Florentinern Künstlern des späten 15. Jahrhunderts: Seine Figuren scheinen knochenlos zu sein und werfen keine Schatten, während sich seine dekorative Eleganz vom Realismus seiner Zeitgenossen unterscheidet. Wenn man seine Figuren aus der Nähe betrachtet, kann man eine feine schwarze Linie erkennen, die Gesichter und Körper umreißt, eine Technik, die Botticelli an seinen Schüler Filippino Lippi weitergab. Botticelli war niemals verheiratete und der Ehe gegenüber abgeneigt. Allein schon die Vorstellung daran verursachte ihm Alpträume. Er soll unter der unerwiderten Liebe von Simonetta Vespucci gelitten haben, einer verheirateten Adligen. Diese soll der Legende nach das Modell für die „Geburt der Venus“ gewesen sein, obgleich Vespucci schon Jahre davor verstarb. Sie ist auch in einem sehr schmeichelhaften Porträt in den Uffizien wiedergegeben. 

Botticelli ist berühmt für seine mythologischen Arbeiten und weltlichen Porträts, er war aber auch sehr religiös und produzierte weit mehr Madonnengemälde und Altartafeln. In hohem Alter war Botticelli einer der Anhänger des Mönchs Savonarola, der in Florenz von 1490 bis zu seiner Hinrichtung im Jahr 1498 seine Moralpredigten hielt. Nach Savonarolas Tod war Botticelli wie ausgewechselt: „Er musste mit dem Malen aufhören. Da er keine Einnahmen mehr hatte, geriet er in große Bedrängnis.“ (G. Vasari).  1491 stellte er sich einem Ausschuss zur Verfügung, der sich mit der Fassade des Florentiner Doms befasste. Seine Ideen müssen überzeugend gewesen sein, da er trotz seines Alters und seiner beruflichen Inaktivität 1504 zum Ausschussmitglied wurde und sich daran beteiligte, den geeignesten Aufstellungsort für Michelangelos David auszuwählen. In neuerer Zeit erreichte sein Vermächtnis sogar den Weltraum: Ein Einschlagkrater auf dem Planeten Mars wurde zu seinen Ehren Botticelli genannt.

Botticellis Werk in der Toskana

Die Uffizien sind der wichtigste Ort, um Botticellis Arbeiten zu besichtigen: Das Museum beherbergt die weltweit größte Werksammlung von Botticelli: Der historische „Botticelli-Raum“ wurde kürzlich aufgeteilt, um die Arbeiten besser zu konservieren und auszustellen, und den Besucherfluss so zu regeln, dass man mehr Zeit vor den berühmten Gemälden verbringen kann. 
Aus Botticellis früher Schaffensphase stammt die „Anbetung der Heiligen drei Könige“ (1475-76): Das Gemälde wurde von Gaspare di Zanobi del Lama für seine Kapelle in der Kirche Santa Maria Novella in Auftrag gegeben. Botticelli führt hier erstmals bedeutende Innovationen ein: die Frontalansicht auf die Szene. Die heilige Familie befindet sich hingegen im Zentrum und wird von den anderen Figuren umgeben (bis zu dieser Zeit wurden die drei Könige immer auf der rechten oder linken Bildseite wiedergegeben). Die heilige Familie befindet sich in einer teilweise zerstörten Hütte, weitere zerstörte Gebäude sind im Hintergrund zu sehen. Zusätzlich fügte Botticelli in das Gemälde die Porträts von Cosimo de' Medici, seiner Söhne Piero und Giovanni und seiner Enkel Lorenzo des Prächtigen und Giuliano ein. Die Kapelle wurde zerstört und das Gemälde ist heute in den Uffizien ausgestellt.

Bildnis eines jungen Mannes mit Medaille von Cosimo dem Älteren, Botticelli
Bildnis eines jungen Mannes mit Medaille von Cosimo dem Älteren, Botticelli 

Botticellis berühmteste Arbeiten sind La Primavera (Der Frühling) undDie Geburt der Venus“. La Primavera wurde von Lorenzo di Pierfrancesco de 'Medici (ein Cousin von Lorenzo dem Prächtigen) in Auftrag gegeben. Das Thema des Gemäldes erschließt sich nicht deutlich: Die mythologischen Figuren scheinen auf verschiedene neuplatonische Theorien zu verweisen sowie auf den Auftraggeber und seine Hochzeit (1482) bezug zu nehmen. Die Geburt der Venus wird in den Medici-Inventaren der Jahre 1498, 1503 und 1516 nicht erwähnt. Dank Giorgio Vasari wissen wir aber, dass sich die Arbeit 1550 in der Villa von Castello befand, wo sie Vasari zusammen mit „La Primavera“ bewundern konnte. 

In den Uffizien können Sie diese mythologischen Arbeiten für die Medici mit zwei anderen Gemäldegattungen vergleichen - den Porträts und den Madonnengemälden. Letztere waren sehr beliebte Arbeiten für den Privatbereich, die Patrizierfamilien für ihr Zuhause in Auftrag gaben. Botticelli (mit Hilfe seiner großen Werkstatt) gehörte hierbei zu den gefragtesten Künstlern. Zu seinen Arbeiten zählen den zarte „Madonna mit dem Granatapfel“ (1487) oder die „Madonna del Magnificat“ (1481). Besonders faszinierend ist der Gesichtsausdruck des „Jungen Mannes mit Medaille“, ein Temperagemälde, das einen Mann darstellt, der eine Porträtmedaille zeigt. Diese Medaille gibt eine echte Medaille wieder, die Cosimo de’ Medici besaß, und die dank der Gesso-Technik dreidimensional erscheint. Die Identität des Modells gab Anlass zu Spekulationen: Der junge Mann scheint für die Medici typische Gesichtszüge zu besitzen, wovon die Kunsthistoriker jedoch nicht überzeugt sind.

Weitere Orte in Florenz

In dem jüngst umgestalteten Museo degli Innocenti, Europas erstem Findelhaus, kann man eine zarte „Madonna mit Kind“ von Botticelli entdecken. Botticelli ist in der Kirche Ognissanti begraben, die ein kleines Fresko hütet, das den „Hl. Augustinus in seiner Studierstube“ wiedergibt.  

Downloaden Sie die Infografik (auf Englisch) Botticelli in der Toskana