Capalbio
Wo der Blick über die gesamte Maremma bis zum Meer schweift

Capalbio ist ein schöner Ort in der südlichen Toskana, der sich über einen mit der für die Maremma typischen Macchia überzogenen Hügel erhebt. Capalbio war im Mittelalter im Besitz der Familie Aldobrandeschi, ging danach an die Grafen  Orsini über und wurde 1416 von der Republik Siena annektiert. Nachdem das Gebiet Cosimo de’ Medici zugeteilt worden war, durchlief es eine Phase des Niedergangs. Infolge der Machtübernahme durch die Lothringer verlor Capalbio seine Autonomie, was mit seiner sozialen Desintegration einherging. Auf diese Weise verbreitete sich das Banditentum, das die Maremma jahrelang in Angst und Schrecken versetzte. Der Legende nach soll sich Tiburzi, einer der berühmtesten maremmischen Gauner, während seiner Flucht fast die ganze Zeit über in Capalbio aufgehalten haben.

Ein Spaziergang durch Capalbio ermöglicht es, einen Ort zu entdecken, der trotz zahlreicher Wechselfälle seine mittelalterliche Anlage erhalten hat. Wenn man der Stadtmauer folgt, kann man den gesamten Wehrgang zurücklegen und von dort aus einen wunderschönen Panoramablick auf das Umland genießen. 
Die Porta Senese besitzt noch ihre ursprünglichen Türen aus Massivholz. 

Capalbio avancierte im Lauf der Jahre dank seiner faszinierenden Atmosphäre, welche die Gasse versprühen, und der schönen Strände Chiarone, Macchiatonda und La Torba zu einem elitären Tourismusziel. Auch Giacomo Puccini zog sich gern in dieses Gebiet zurück, insbesondere für seine Jagdexkursionen, wie seine Briefe an Giuseppe Della Gherardesca und Piero Antinori bezeugen.

In diesem Gebiet empfiehlt sich ein Spaziergang durch das schöne Naturschutzgebiet entlang der Ufer des Lago di Burano, wo man zu verschiedenen Jahreszeiten dem Birdwatching nachgehen kann. Capalbio liegt nicht weit von Castiglione della Pescaia und Porto Santo Stefano in der Provinz Grosseto entfernt, zwei sehenswerte Küstenorte. Erwähnenswert ist schließlich auch der fasziniernde Giardino dei Tarocchi in Garavicchio, den die bedeutende Künstlerin Niki de Saint Phalle in Anlehnung an Gaudís Park Güell in Barcelona realisierte.

Seine Bekanntheit verdankt Capalbio auch dem Kurzfilmfestival Capalbio Cinema, das in der ersten Julihälfte stattfindet und namhafte nationale und internationale Persönlichkeiten anlockt. Zu den jährlichen Veranstaltungen, die man keinesfalls verpassen sollte, zählen auch Capalbio Libri und der Torneo dei Butteri (Turnier der Butter), ein Begriff, der auf die Viehhirten verweist, die Pferde und Vieh hüten.

Die kulinarische Tradition von Capalbio spiegelt größtenteils - wenn auch mit Varianten - die der Maremma wider. Fehlen dürfen daher keinesfalls Wildschweingerichte, frische Nudeln wie Pappardelle, Fettuccine und Tortelli, die Acquacotta (eine Art Suppe mit Gemüse, Brot und Eiern, die bäuerlichen Ursprungs ist), der Buglione di agnello (Lammschmorbraten) und der Ciaffagnone, eine Delikatesse, die dem Crêpe ähnlich ist. Alle, die gern frischen Fisch mögen, können hingegen den Caldaro, eine Fischsuppe, genießen.