Photo ©Gabriele Cury
Eine Bikepacking-Route auf Schotterstraßen durch die sienesischen Hügel
48 Stunden mit dem Fahrrad im Umland von Siena
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93 km
Dauer
2 Tage

Die sienesische Landschaft ist auf der ganzen Welt bekannt. Einige der bedeutendsten Filmemacher haben dieses Gebiet für ihre Filme gewählt, die Renaissance entstand inmitten dieser Hügel und das geschützte Gebiet ist größtenteils noch unberührt. Zusammen mit einigen befreundeten Radfahrern haben wir beschlossen, diese Strecke zurückzulegen und einigen der berühmtesten weißen Schotterstraßen entlang einer weniger bekannten Route zu folgen.

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Erster Tag
Mit dem Fahrrad unterwegs in den Terre di Siena
Von Siena nach Radi: die Straße der Radchampions und Pilger
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Erforderliche Zeit
1 giorno
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Streckenlänge
58 km

Da der Abschnitt am ersten Tag sehr lang ist, haben wir beschlossen, in aller Früh aufzubrechen. Ich empfehle, diese atemberaubenden Straßen im Frühjahr oder Herbst mit dem Fahrrad zurückzulegen. Von Florenz aus führt ein Zug, in dem der Transport von Fahrrädern erlaubt ist, direkt nach Siena zu Füßen der Altstadt. Es ist früh am Morgen. Die Luft ist frisch und klar. Wir beginnen unsere Tour und folgen dem GPS. 

Die Terre di Siena (das Umland von Siena) ist eine Hügellandschaft. Wenn man das Zentrum verlässt, erscheint die Stadt nach nur wenigen Kilometern immer kleiner, während sich vor einem die Hügel ausbreiten, über die sich  jahrhundertealte Weinberge und Landhäuser verteilen, die aus dem für dieses Gebiet typischen hellen Stein errichtet sind. Nach Quercegrossa beginnt die Schotterstraße (weiße Straße), deretwegen wir so früh aufgestanden sind. Die Schotterstraßen unterschieden sich von den Naturstraßen. Die Erde ist fester und zeichnet sich oft durch einen sehr hellen Farbton aus. Die Schotterstraßen sind ohne Steine. Sie sind an schwülen Tagen sehr staubig, lassen sich aber gerade in den frühen Morgenstunden unglaublich gut befahren.  

Nichtsdestotrotz weisen diese Straßen Schwierigkeiten auf. Sie führen die Hügel hinauf, die, auch wenn sie niedriger sind, große Höhenunterschiede aufweisen. Da die Auffahrt für uns einer Meditation gleichkommt, freuen wir uns darüber zu sehen, wie sich die Reben an den Abhängen nach oben erstrecken, wie die Gutshäuser nach den Kurven auftauchen und wie uns der Wind ins Gesicht weht. Wir spüren ein Gefühl von Freiheit. Ab diesem Punkt verlassen wir dir zivilisierte Welt. Wir begegnen kaum noch Autos und Ortschaften und kilometerlang sehen wir keinen Asphalt. Meine Freunde wirken glücklich, während sie inmitten der Weinberge und verlassenen Bauernhöfe herumflitzen. Die Strecke verläuft durch eine Landschaft, die sich durch Olivenhaine und Wälder charakterisiert. Die Reifen geben auf diesen Straßen ein unverwechselbares Geräusch von sich.

Entlang dieses Abschnitts verläuft auch ein Teil der Strecke der Eroica und jedes Jahr kommen hier auch die Radchampions der Strade Bianche vorbei, dem Radrennen der Profis. Unsere Fahrräder sind nicht voll beladen, wir haben nur etwas Reiseproviant mitgenommen. Nach Arbia erreichen wir die Crete Senesi, wo wir einen Zwischenstopp einlegen und unser Mittagessen genießen. Vor uns breitet sich das Landschaftspanorama wie auf der großen Leinwand aus. Wir entspannen uns und genießen den Film, den uns die Natur bietet. 

Falls es regnen sollte, möchte ich darauf hinweisen, dass der Untergrund nach Arbia sehr schlammig ist und daher grobstollige Reifen und eine kurze Übersetzung empfehlenswert sind. Von Arbia nach Vescona verläuft die Strecke entlang eines Abschnitts der Via Lauretana, dem alten Pilgerweg, der Siena mit Cortona verbindet und Weizenfelder sowie die Mondlandschaften durchquert, die die Crete aufgrund ihrer Bodenbeschaffenheit formen.

Die Straße setzt sich fort und unsere Gruppe bewundert die Landschaft, die uns den Atem für die nachfolgenden Auffahrten raubt. Es ist Nachmittag und wir können es kaum erwarten, nach Radi zu gelangen, der historischen Etappe der Eroica, und unserem Rückzugsort für die Nacht. 

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Zweiter Tag
Mit dem Fahrrad von Radi nach Siena
Von Radi nach Siena: Eichenwälder und Felder
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Erforderliche Zeit
1 Tag
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Streckenlänge
35 km

Die Luft am nächsten Morgen ist sehr frisch. Einige kaufen ein Stück Schiacciata (Focaccia) als Reiseproviant in der Bar, andere füllen ihre Flaschen. Und dann brechen wir auf. Das Panorama der Crete ändert sich erneut, nicht aber die Naturstraße. Bis auf die Auffahrt nach Grotti ist dieser Abschnitt flacher als der vom Vortag. Eichenwälder, Olivenhaine und bewirtschaftete Felder ziehen an uns vorüber. Autos sind kaum unterwegs. Und es macht wirklich Spaß, ohne Verkehr mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.

Die Gerüche wechseln sich ab, und die Landgüter lassen uns erahnen, welche machtvolle Position Siena und sein Umland einst besaßen. Jeder Ort besitzt seine eigene Geschichte. Da wir am zweiten Tag weniger Kilometer zurückzulegen haben, können wir Zwischenstopps einlegen und diese Ortschaften besichtigen. Eine Fahrradtour durch die Toskana bietet so die Möglichkeit, in fast jedem Ort anzuhalten und dort ein Lebensmittelgeschäft oder eine Bar mit ausgezeichneten Lokalprodukten vorzufinden. Auch uns fehlt es an nichts, und so lassen wir uns während einer wohlverdienten Pause unser Panino schmecken. 

Ab hier finden wir weniger ausgehobene Erde vor, aber nach mehreren Stunden auf dem festgestampften Boden, genießen wir das leichtfüßige Fahren über den Asphalt. Zwei Regenwolken ziehen an uns vorüber, die der Wind jedoch schnell wegbläst, während wir uns der stadt des Palio nähern. Entlang der Bundesstraße können wir noch neue Landschaften und Ausblicke genießen. Wir sind allmählich müde, unsere Erschöpfung wird jedoch durch die Schönheit des Ortes wettgemacht.

Die letzten Abschnitte vor Siena geht es Auf und Ab. Einer unserer Reisegefährten, ein waschechter Sieneser, beschreibt dies folgendermaßen: „Man kommt niemals in Siena an.“ So vermitteln einem die Hügel, die die Stadt umrahmen, das Gefühl, kurz vor dem Ziel zu sein, während man noch viele kleine Auffahrten in Angriff nehmen muss, ehe man endlich ankommt.

Die Rückkehr nach Siena fällt spektakulär aus. Wir fahren unterhalb von San Prospero vorbei, erklimmen die Straßen und sind endlich am Ziel. Müde, aber glücklich. Da uns vor unserer Abfahrt noch ein wenig Zeit zur Verfügung steht, flanieren wir eine Stunde lang durch die Gassen Sienas. Wir schieben unsere Räder, da man im Zentrum nicht Rad fahren darf. Ich genieße es immer aufs Neue, diese Stadt mit ihrer glanzvollen Vergangenheit und ihren Marmorkirchen neu zu entdecken.

Auch dieses Mal geht unsere 48-Stunden-Tour zu Ende, die mit viel Staub und endlosen Weinbergen einherging. Im Zug verabschiede ich mich von der Hügellandschaft.