Photo ©Alessio Grazi
Die Toskana on the road: in sechs Tagen von Norden nach Süden
Eine Wanderung über die Via Francigena für kulturinteressierte Genießer
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323 km
Dauer
6 Tage
Difficoltà
leicht

Die Via Francigena, die Straße, auf der sich Pilger, Soldaten und Händler bewegten, führt durch toskanische Dörfer und Städte, in denen Gastfreundschaft eine Tradition ist. Sie umfasst 16 Etappen und mindestens 400 km und ist nicht nur ein gut ausgeschildeter Wanderweg, sondern auch eine Route zu einer Vielzahl von bemerkenswerten Orten. Wenn Sie gerne wandern und den Charme der toskanischer Ortschaften lieben, aber auch die lokale Küche, sollten Sie sich auf diese einwöchige Reise von Norden nach Süden begeben. Auf Ihrem Weg von den Gipfeln des Apennin bis zu den Hügeln der Val d'Orcia werden Sie auf den einzelnen Etappen dieser historischen Route einige bemerkenswerte Plätze kennenlernen. 


Erster Tag
Ein Spaziergang durch Pontremoli
Pontremoli, der Fluss Magra
Pontremoli, der Fluss Magra - Credit: Alessio Grazi

Unsere Tour beginnt in Pontremoli, der nördlichsten Stadt der Toskana und historischen Hauptstadt der Oberen Lunigiana. Mit gleich zwei Flüssen, dem Verde und dem Magra, ist es auch als "Stadt der Brücken" bekannt.

In den Geschichtsbüchern wird der Zeitraum von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als die Blütezeit der Stadt beschrieben. Hinter den Fassaden der Palazzi und Kirchen verbergen sich bedeutende barocke Kunstwerke. Um einen Eindruck zu erhalten, können Sie zum Beispiel die Kathedrale Santa Maria Assunta besuchen, mit der neoklassischen, marmorverkleideten Fassade, oder die ungewöhnliche Kirche Nostra Donna, ein wunderschönes Beispiel der Rokoko-Architektur.

Spazieren Sie durch die gepflasterten Gassen des Viertels Piagnaro und gehen Sie bis zur Burg, die im 11. Jahrhundert zur Verteidigung hoch auf dem Hügel erbaut wurde. Heute ist in ihr das Museum der Statuenmenhire untergebracht, mit mehr als 25 dieser geheimnisvollen Figuren aus Sandstein, die zwischen dem 4. und dem 1. Jahrtausend v. Chr. geschaffen wurden.

Am Nachmittag können Sie sich im Caffè degli Svizzeri mit etwas Süßem stärken. Dieses 1842 gegründete Café hat sich zu einem Wahrzeichen Pontremolis entwickelt und ist der ideale Ort, um einige traditionelle Spezialitäten zu kosten, zum Beispiel Amor, eine cremegefüllte Waffel. Beenden Sie den Tag bei einem Abendessen mit Testaroli, einer lokalen Pasta-Spezialität, die in speziellen gusseisernen Pfannen zubereitet wird, oder Kastaniengebäck mit frischem Ricotta.

Lokale Legenden: Die dunklen, engen Gassen von Piagnaro haben viele Erzählungen von Werwölfen inspiriert und immer wieder hieß es, dass hier Werwölfe gesichtet wurden. Man sagt, um die Gefahr abzuwenden, müsse man drei Stufen nehmen und dürfe dem Werwolf niemals in die Augen sehen. Das Problem ist, dass man in diesem Viertel kaum ein Gebäude mit drei Stufen findet, die meisten haben nur zwei. Moral von der Geschichte? Lassen Sie sich nicht vom lokalen Aberglauben beeinflussen, denn sonst kann es passieren, dass Sie einen Werwolf sehen, aber keine drei Stufen.

Zweiter Tag
Die erste Etappe auf der Via Francigena
Casalina
Casalina - Credit: Alessio Grazi

 

Es ist Zeit, den Apennin zu erkunden. Der über 22 km lange erste Abschnitt der Via Francigena führt durch dichte Wälder und Dörfer mit Steinhäusern, vom Passo della Cisa (1100 m) bis nach Pontremoli. Da diese Route anspruchsvoll ist (560 m Aufstieg und 1294 m Abstieg), besteht die Möglichkeit, im Ostello della Cisa Halt zu machen, zwei Kilometer vor dem Pass, falls Sie sich entschließen, die ganze Etappe zu gehen. Hier können Sie die Kirche Nostra Signora della Guardia besuchen, die dem Schutz von Sportlern gewidmet ist und mit ihrer Freitreppe beeindruckt. Von der Kirche aus haben Sie einen wundervollen Blick über das gesamte Tal und die umliegenden Berge.

Wenn Sie es dagegen weniger anstrengend mögen, können Sie in Previdè (auf halbem Weg) anhalten, einer kleinen Stadt mit einem hübschen, komfortablen Bed and Breakfast. Auf einem Spaziergang in Richtung Pontremoli erreichen Sie nach ca. drei Kilometern die Steinbrücke von Groppodalosio aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist mehr als 16 Meter hoch und verbindet die Orte Groppodalasio und Casalina, zwischen denen der Magra fließt. 

Dritter Tag
Ein Ausflug in die Versilia und der Charme von Camaiore
Camaiore - Die Piazza
Camaiore - Die Piazza - Credit: Alessio Grazi

Sie verlassen die Lunigiana und fahren in die Versilia, den Teil der Toskana zwischen den Apuanischen Alpen und der Küste. Machen Sie auf der Fahrt einen kleinen Abstecher nach Pallerone mit der berühmten mechanischen Krippe. Sie wurde im Jahr 1935 aus Abfallmaterialien geschaffen und es dauerte nicht lange, bis sie eine der bekanntesten Weihnachtskrippen Italiens war. Ihrer Berühmtheit ist es zu verdanken, dass sie das ganze Jahr über zu sehen ist, nicht nur in der Weihnachtszeit.

Nach etwa einer Stunden Fahrt erreichen Sie Camaiore, einen kleinen Ort am Fuße der Apuanischen Alpen. Spazieren Sie durch die Altstadt und nutzen Sie die Gelegenheit, die lokalen Spezialitäten zu probieren, wie Panpepato (eine Art Pfefferkuchen) und Wurstwaren aus dem Dorf Gombitelli. An der Via IV Novembre, die zur alten Pilgerstraße Via Francigena gehört, können Sie die Kirche San Michele aus dem 12. Jahrhundert besichtigen.

Wenn Sie mit Kindern reisen, sollten Sie unbedingt das Archäologische Museum von Camaiore besuchen. In dreizehn Räumen erleben die Besucher eine Reise durch die Jahrhunderte, durch eine Reihe von Stationen, an denen Informationen über den Tastsinn, den Hör- und den Geruchssinn vermittelt werden.

Als Übernachtungsmöglichkeit bietet sich das Ostello del Pellegrino an, das in der Abtei San Pietro untergebracht ist. Diese gastliche, gut geführte Unterkunft bietet ca. 20 Betten in Mehrbettzimmern und hat sich zu einem Zentrum für Events rund um Kultur, Outdoor und Freizeitaktivitäten entwickelt. Es ist auch eine fantastische Quelle für Informationen über Ausflüge und geführte Touren in die Apuanischen Alpen.

Vierter Tag
Von San Miniato nach Gambassi Terme
Die Via Francigena - Castelfiorentino
Die Via Francigena - Castelfiorentino - Credit: Alessio Grazi

Auf dieser Etappe erkunden Sie die Hügel um Pisa und Florenz, auf den Spuren des Erzbischofs von Canterbury, Sigerich der Ernste. Er war so von der Schönheit dieser Gegend bezaubert, dass er hier gleich zweimal Station machte: in der Pfarrkirche von Coianao und in Santa Maria in Chianni. Brechen Sie in San Miniato in Richtung Gambassi Terme auf: Diese Strecke weniger anspruchsvolle, aber recht lange Strecke führt durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend. Egal, ob Sie den ganzen Weg oder nur einen Teil zurücklegen, Sie werden entzückt sein von dieser Landschaft, einem Meer von Hügeln, die sich am Horizont verlieren.

Verbringen Sie den Sonnenuntergang in San Miniato. Dieser auf drei Hügeln erbaute Ort, der über das ganze Arno-Tal blickt, erwartet Sie mit der Burg, die Kaiser Otto I. im Jahr 962 errichten ließ. In ihr waren Friedrich Barbarossa und Papst Gregor V. zu Gast. Steigen Sie unbedingt zum Turm von Friedrich II. hinauf, von dem aus Sie einen unvergleichlichen Blick über das Arnotal bis zu den Apuanischen Alpen haben.

Lieben Sie Trüffeln? Dann ist der beste Zeitpunkt für einen Besuch in San Miniato November, wenn es die begehrte weiße Trüffel gibt und die berühmte Sagra del Tartufo stattfindet. In dieser Zeit wird eine Vielzahl von Aktivitäten für die gesamte Familie geboten: Ausflüge, Veranstaltungen und spezielle Menüs werden im ganzen Ort angeboten, während in der Altstadt Stände die besten Trüffeln und Trüffelprodukte verkaufen.

 

Fünfter Tag
Mitten hinein in die Magie der Val d’Orcia
Die Val d´Orcia
Die Val d´Orcia - Credit: Alessio Grazi

Die Reise beginnt in der Val d'Orcia, in San Quirico d'Orcia, einem Ort im Herzen der Landschaft, die überall auf der Welt bewundert wird. Die Kapelle Madonna della Vitaleta, die Zypressenalleen und der Podere Belvedere sind einige der bekanntesten Ansichten der ganzen Toskana.

Nehmen Sie sich einige Stunden Zeit, um den Ort und seine wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu erkunden, zum Beispiel die zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert aus Sandstein und Travertin erbaute Kollegiatskirche SS. Quirico e Giulitta. An der Piazza Chigi sollten Sie dem Palazzo Chigi Zondari mit seinen wunderschönen, freskengeschmückten Räumen und Gängen einen Besuch abstatten. Dieser eindrucksvolle Palazzo, den Carlo Fontana im 17. Jahrhundert im Auftrag von Kardinal Flavio Chigi erbaute, ist heute das Rathaus und Ort zahlreicher Ausstellungen.

Besuchen Sie unbedingt auch die Horti Leonini: Die 1580 von Diomede Leoni geschaffene Anlage ist ein herrliches Beispiel für einen italienischen Garten und heute ein öffentlicher Park. Die Horti Leonini wurden 1975 Eigentum der Gemeinde, die sie für das Publikum zugänglich machte.

Nur wenige Minuten von San Quirico d'Orcia gelegen, lohnt Vignoni Alto einen Besuch, ein kleiner mittelalterlicher Ort mit der hübschen Kirche San Biagio.

Entspannen Sie sich am Nachmittag in den Thermalquellen von Bagni Vignoni, in dem es drei Hotels gibt, in denen Sie in den Genuss des heilsamen Wassers kommen.

sechster Tag
Radicofani: Durchgangsort und Station von Bedeutung
Radicofani aus der Luft
Radicofani aus der Luft 

Radicofani, das auf 900 Meter Höhe auf einem Hügel an der alten Straße nach Rom liegt, war schon immer ein wichtiger Durchgangsort und folglich auch als Station von Bedeutung. Im Jahr 1584 ließ Großherzog Ferdinando I. dei Medici hier so etwas wie das erste Hotel Italiens erbauen: Ein großes Gebäude mit Ställen, einer Küche, Sälen und Räumen für vornehme, aber auch einfache Gäste. In der von Bernardo Buontalenti, dem Architekten des Großherzogs, entworfenen, "Osteria grossa" oder "Poste Medicee" genannten Herberge übernachteten viele bedeutende Persönlichkeiten, darunter Großherzog Ferdinand I. selbst, Cosimo II. und sein gesamter Hof (1612), Mozart, der mit seinem Vater auf dem Weg nach Rom war, die Päpste Pius VI. und Pius VII., der Marquis de Sade, Stendhal und Charles Dickens.

Während Pontremoli das nördliche Tor der Via Francigena zur Toskana ist, ist Radiconi das südliche Tor. Über Jahrhunderte war die Festung von strategischer Bedeutung für die Grenze zwischen dem Großherzogtum Toskana und dem Kirchenstaat. Von der Terrasse auf dem Turm genießen Sie einen weiten Blick über das Land. Sie bot Ghino di Tacco, dem bekanntesten Räuber der Toskana, Zuflucht und war Ausgangspunkt seiner Raubzüge. Er ließ seinen  Opfern allerdings immer, mit dem sie überleben konnten, und war großzügig zu den Armen, so dass er oft als italienischer Robin Hood angesehen wird.

Sie erreichen Radicofani von Bagni Vignoni zu Fuß in etwa 30 Minuten. Der Weg ist zwar beschwerlich, aber sie werden von der wunderbaren Landschaft, die sich vor Ihnen ausbreitet, mehr als entschädigt. Egal, ob Sie die ganze Strecke oder nur einen Teil zu Fuß gehen wollen, widmen sie diesem Ort in den Wolken einen ganzen Tag.

Spazieren Sie durch die Gassen und besuchen Sie das jüdische Viertel, die kleine Piazza della Giudecca und die Pfarrkirche S.Pietro aus dem 10./11. Jahrhundert, in der sich eine bedeutende Sammlung von Meisterwerken Andrea della Robbias befindet. Erkunden Sie den Bosco Isabella, einen romantischen-eroterischen Garten, der zwischen 1844 und 1906 angelegt wurde und ca. 2,5 Hektar groß ist. Beenden Sie Ihren Tag mit einem Teller Pici und einem Glas toskanischen Rotwein.