Photo ©Marcel Fagin
Ein Tag auf den Spuren der Etrusker in Chiusi und Montepulciano
Eine Entdeckungreise zu jahrtausendealten kulturellen und kulinarischen Schätzen
directions_car
32 km
Dauer
1 giorno
Difficoltà
leicht

In der Toskana kann man sich auf vielfältige Weise auf die Spuren der Etrusker begeben: zu Fuß, mit dem Fahrrad, von einem Turm aus, unter der Erde, in einem Museum oder indem man Speisen kostet, die nach jahrtausendealten Rezepten zubereitet wurden. Dieser Artikel beschreibt, wie Sie all diese Arten, den Etruskern zu begegnen, in der Gegend von Chiusi und Montepulciano an einem einzigen Tag erleben können.


Morgens
Im Jenseits: die Nekropole von Chiusi
 

Der Tag beginnt im Etruskischen Nationalmuseum von Chiusi. Aber Sie sind nicht hier, um die ausgestellten Werke zu bewundern, sondern Eintrittskarten für die beiden eindrucksvollen etruskischen Gräber zu kaufen, die Tomba del Leone und die Tomba della Pellegrina, die sich zusammen mit der Tomba della Scimmia und der Tomba del Colle ca. drei Kilometer vom Museum entfernt an der Straße zum See von Chiusi befinden. Bevor Sie sich den kostbaren Exponaten des Museums zuwenden, sollten Sie nämlich die Stätten besuchen, aus denen sie stammen.

Sie könnten ein Fahrrad mieten und sich auf den Weg zu den etruskischen Grabstätten machen. Besonders interessant sind unserer Ansicht nach die Tomba della Scimmia mit ihren gut erhaltenen Wandmalereien und die Tomba della Pellegrina, in der sich immer noch die antiken Urnen und Sarkophage befinden. Die Etrusker glaubten an ein Leben nach dem Tod und bauten ihren Toten für den Weg ins Jenseits Gräber nach dem Vorbild ihrer Häuser, die sie mit Alltagsgegenständen ausstatteten. Deswegen sind die Gräber für die Archäologen wahre Schatzkammern voller Informationen über die etruskische Kultur.

Mittags
Ein jahrtausendealtes Gericht am Ufer des Lago di Chiusi
Brustico, eine etruskische Spezialität aus Chiusi
Brustico, eine etruskische Spezialität aus Chiusi - Credit: Marcel Fagin

Nachdem Sie wieder ans Tageslicht zurückgekehrt sind, werden Sie, nachdem Sie sich die üppigen Gelage der Frauen und Männer vorgestellt haben, die in der Nekropole bestattet wuden, Hunger haben! Begeben Sie sich also zum See von Chiusi, um dort Brustico zu essen, Fisch aus dem See, der über einem Feuer aus Schilfrohr gegrillt wird. Nach einem alten etruskischen Rezept werden die Fische auf der Außenseite fast verbrannt, damit sie leichter zu entschuppen sind. Dann werden sie entgrätet, filetiert und mit Salz, Pfeffer und Olivenöl gegessen.

Früher Nachmittag
Das Archäologische Nationalmuseum und die unterirdische
Stadt von Chiusi
Das Archäologische Nationalmuseum in Chiusi
Das Archäologische Nationalmuseum in Chiusi - Credit: Marcel Fagin

Zurück in Chiusi wird es Zeit, sich in das Etruskische Nationalmuseum zu begeben, in dem die Fundstücke aus den Gräbern, die Sie am Morgen besucht haben, zu sehen sind. Dieses bedeutende archäologische Museum ist seit 1901 in einem eleganten neoklassichen Gebäude untergebracht und wurde nach chronologischen Gesichtspunkten geordnet: Der Rundgang beginnt im Raum der Eisen- und der Bronzezeit, mit Exponaten aus der Gegend, und endet in der Abteilung mit langobardischer Kunst, in der Waffen und Schmuck aus Gräbern der Umgebung zu sehen sind. Außerdem gibt es natürlich eine wichtige etruskische Abteilung, in der aus Griechenland importierte Gefäße und die berühmten Kanopen - Urnen, deren Deckel wie menschliche Köpfe geformt sind - gezeigt werden, und einen Saal über die Römerzeit in Chiusi, mit bemerkenwerten Marmorskulpturen.

Nach dem Museumsrundgang sind Sie bereit, wieder in die Unterwelt hinabzusteigen: Unter Chiusi verbirgt sich nämlich eine unterirdische Stadt, von der dank des Museums "La città sotterranea" einer kleiner Teil besichtigt werden kann.
Sie folgen den engen, von den Etruskern geschaffenen Gängen, die unter der Stadt verlaufen, und entdecken mehr als 500 Graburnen sowie etruskische Grabziegel mit Inschriften. Außerdem gibt es einen antiken Brunnen, der zu einem kleinen See mit kristallklarem Wasser führt. Bevor Sie Chiusi verlassen, können Sie, wenn Sie Lust auf etwas Bewegung haben, noch den Kampanile besteigen und den schönen Blick über die grüne Hügellandschaft schweifen lassen, die sich vor der Stadt ausbreitet.

Am Nachtmittag
Montepulciano: eine "Kathedrale des Weins" und die etruskische Grotte
Default
 - Credit: Marcel Fagin

Es ist Zeit, nach Montepulciano aufzubrechen, das Sie in einer knappen halben Stunde Autofahrt erreichen. Auch im dortigen Stadtmuseum - das im Palazzo Neri Orselli untergebracht ist, einem der besterhaltenen mittelalterlichen Palazzi von Montepulciano - können Sie bedeutende etruskische Funde bewundern. Das Gebäude auf der dem Museum gegenüberliegenden Seite birgt dagegen einen Ort, der Ihnen den Atem verschlagen wird. In dreißig Metern Tiefe befindet sich unter einem der prächtigsten Renaissancepaläste von Montepulciano ein Weinkeller, den manche "La cattedrale del vino" nennen. Es handelt sich um die Cantina De’ Ricci aus dem 16. Jahrhundert, der Schrein des Vino Nobile di Montepulciano. Aber was hat sie mit den Etruskern zu tun? Hinter dem Gewölbe aus dem 16. Jahrhundert finden Sie eine Grotte, die von den Etruskern geschaffen wurde und vor vielen Jahrhunderten eine etruskischen Familie beherbergte, die in diesen Räumen lebte. Unglaublich, aber wahr!

Aperitif
Ein Aperitif bei den Etruskern
Die Vinothek des Consorzio del vino Nobile di Montepulciano
Die Vinothek des Consorzio del vino Nobile di Montepulciano - Credit: Marcel Fagin

Um diesen intensiven Tag würdig abzuschließen, sollten Sie sich in die Enoliteca del Consorzio Vino Nobile di Montepulciano begeben, in der sich Geschichte, Kunst, Wein und Landschaft vereinen. Die Vinothek, die auf den Hof der alten Festung von Montepulciano hinausgeht, ist mit einem gläsernen Fußboden ausgestattet, so dass Sie, während Sie einen der mehr als 100 angebotenen Weine genießen, die bedeutenden archäologischen Funde bewundern können, die sich unter Ihnen ausbreiten, darunter die Fundamente etruskischer Gebäude und eine römische Zisterne. Wenn Sie den Sonnenuntergang von der Aussichtsterrasse der Enoliteca bewundern und Ihren Blick von der Val di Chiana bis zur Val d′Orcia schweifen lassen, kommt es Ihnen vielleicht vor, als würden die Etrusker noch unter uns weilen.